Meine Sprachmomente

 Willkommen in meiner kommunikativen Welt! Hier erzähle ich von kleinen Momenten aus meinem Alltag, in denen Sprache ihre Wirkung entfaltet – humorvoll, überraschend oder nachdenklich. Lies doch gerne, dann siehst du, was ich so im Thema Kommunikation erlebe. 

Mein Sprachschatz hat Hitzefrei

 

Es gibt Tage, da bin ich sprachlich nicht ich selbst. 

Und momentan gibt es davon einige. 

Bei dieser Hitze bemerke ich etwas Spannendes an  mir selbst:
 Mein Wortschatz, ist anders - er hat scheinbar Hitzefrei. 

Hitze verändert Wahrnehmung, Reizverarbeitung und Impulskontrolle.
 Und ja — das wirkt direkt auf unsere Sprache. 

Bei großer Hitze, wenn die Luft steht, der Körper träge wird und selbst Gedanken langsamer fließen, verändert sich auch meine Art zu kommunizieren. 

Dinge, die ich sonst klar und bewusst sagen kann, werden plötzlich… anders. 

Sätze entstehen schneller, als ich sie innerlich durchdenken kann. 

Und manchmal kommen Worte heraus, bei denen ich mir sofort denke: 

So rede ich eigentlich nicht. 

Ich nenne das:
 Sprache auf Autopilot. 

Und Autopilot ist bekanntlich nicht immer die beste Wahl. 

Vielleicht sind viele sogenannte Kommunikationsprobleme an heißen Tagen gar keine echten Konflikte. 

Sondern Temperaturphänomene. 

Ein Satz wird schärfer verstanden, als er gemeint war.
 Eine Antwort kommt kürzer zurück, als sie gedacht war.
 Ein Blick wirkt genervter, als er eigentlich ist. 

Und plötzlich entsteht Spannung, wo eigentlich nur Hitze ist. 

Ich glaube ja:
 Klare Sprache ist eine Luxusfunktion. 

Sie braucht ein waches Nervensystem.
 Innere Ruhe.
 Bewusstheit. 

Freundliche, klare Kommunikation ist kein Automatismus. 

Vielleicht müssen wir an heißen Tagen also gar nicht besser kommunizieren. 

Vielleicht reicht es, großzügiger miteinander zu sein. 

Ein bisschen langsamer.
 Ein bisschen nachsichtiger. 

Und vielleicht öfter zu denken: 

„Ah … das war gerade ein 35-Grad-Satz.
 Kein Beziehungsstatement.“
😄 

Ich plädiere für mehr Sommertoleranz in Gesprächen. 

Und für ausreichend Wasser. 

Für Menschen.
 Und für Worte. 

Wenn Worte schwimmen lernen

 

Drei Tage lang habe ich ein Seminar zum Thema Gesprächsführung gehalten.

Drei Tage voller Gespräche über Gespräche.

Wir haben uns echte Situationen angeschaut.

Gespräche mit Eltern.

Gespräche im Team.

Gespräche mit Menschen, bei denen man merkt:

Da ist etwas zu klären.

 

Wir haben diese Gespräche gemeinsam auf den Tisch gelegt, sie gewendet, betrachtet,

verfeinert und unter die Lupe genommen.

 

Und dabei ist etwas aufgefallen.

 

Ein Muster.

 

Ein ganzes leises, aber sehr häufiges Muster.

 

Viele dieser Gespräche hatten eine Gemeinsamkeit.

 

Die Klarheit.

 

Oder besser gesagt:

Die fehlende Klarheit.

 

Denn aus Sorge, nicht freundlich genug zu sein,

nicht hart zu klingen,

nicht anzuecken,

haben viele Gespräche gezeigt, dass die Aussagen immer weicher verpackt (versteckt) wurden.

In manchen Fällen wurden die Themen gar nicht mit Worten an/ausgesprochen und es wurde gehofft, dass der/die Andere "es" "eh" weiß und versteht.

 

Der Inhalt wurde so weich formuliert,

dass er sich auflöste.

 

Er wurde so vorsichtig gesagt,

dass er kaum noch zu greifen war.

 

Oder anders gesagt:

Der Inhalt wurde so schwammig formuliert, dass er davongeschwommen ist.

 

Niemand wollte unfreundlich sein.

Aber am Ende war auch nicht mehr klar, worum es tatsächlich geht.

 

Und genau an dieser Stelle haben wir uns im Seminar einen kleinen Ausflug gegönnt.

 

Einen Blick auf ein Thema, das ich besonders mag:

 

wertschätzende Klarheit.

 

Klar in der Sache.

Wohlwollend mit der Person.

 

Eine Art zu sprechen, die nicht hart ist -

und auch nicht verschwimmt.

 

Denn Klarheit bedeutet nicht, jemanden vor den Kopf zu stoßen.

 

Klarheit bedeutet, dem Gespräch ein Geländer zu geben.

 

Damit Gedanken nicht schwimmen müssen.

 

Sondern ankommen können.


 
Geistig umparken – ein kleines Bild mit großer Wirkung 

 
Ich habe gerade das Buch „In meinem Kopf möchte ich nicht wohnen“ von Klaus Eckel gelesen – na gut, zugegeben, erst die ersten „vielen“ (ich habe keine genaue Zahl im Kopf) Seiten.
Aber schon diese Seiten haben mich total gefesselt.
Ich musste ständig schmunzeln über die Räume in seinem Kopf: das Grübelzimmer, die Panikkammer, den Salon der guten Hoffnung… Allein die Vorstellung, dass Gedanken wie kleine Zimmer eingerichtet sein könnten, brachte mich zum Lachen – und gleichzeitig zum Nachdenken.
Und dann bin ich auf diese Formulierung gestoßen:
„geistig umparken“.
Dieses kleine Bild lässt mich seitdem nicht mehr los.
Nicht einfach „umdenken“, sondern die Gedanken wie ein Auto anders hinstellen, auf der Suche nach einer anderen Sicht, nach mehr Raum, – herrlich!
Ich konnte sofort sehen, was gemeint ist. Und dabei habe ich wieder einmal gespürt, wie stark Bilder in der Sprache wirken.

Warum ich so begeistert davon bin
Seitdem denke ich immer wieder darüber nach, wie viel leichter Dinge verstanden werden, wenn wir in Bildern sprechen und wie viel mehr sie im Gedächtnis bleiben. 

  • Bessere Vorstellungskraft: Menschen sehen die Szene vor sich, bevor sie die Theorie verstehen.
  • Schnelleres Begreifen: Ein Bild braucht weniger Worte, um verstanden zu werden.
  • Leichtigkeit: Ein Bild erzeugt Humor, Überraschung oder Wärme – und macht Gespräche lebendiger.
  • Langfristige Wirkung: Bilder bleiben im Kopf, lange nachdem Worte vergessen sind.

Wenn wir zum Beispiel sagen: 

  • „Da stehe ich auf der Leitung“
  • „Meine Gedanken drehen sich im Kreis“
  • „Das war ein Stich ins Herz“
  • „Mein Akku ist leer“

…dann wissen alle sofort, was wir meinen. Ohne lange Erklärungen, ohne komplizierte Begriffe.
 
Mein Fazit
Dieser kleine Begriff „geistig umparken“ hat mir wieder einmal gezeigt, warum ich so gerne mit bildhafter Sprache arbeite.
Weil sie uns sichtbar macht, was wir meinen, weil sie Leichtigkeit in Gespräche bringt und weil sie bleibende Bilder in den Köpfen entstehen lässt. 
Ich will nicht nur über Worte nachdenken.
Ich will sehen, fühlen und vorstellen, was Worte bewirken können. 
Und manchmal reicht ein kleines Bild – wie ein Parkplatz für unsere Gedanken –, um alles klarer zu machen. 



 

Worte im Raum sind nie nur Dekoration 

Neulich war ich in einem Geschäft, um Fliesen auszusuchen.
Während ich auf den Verkäufer wartete, fiel mein Blick auf ein kleines Schild auf seinem Schreibtisch. Es stand so da, dass ich es als Kundin ständig im Blick hatte.
Darauf stand ein Spruch, der ungefähr so ging:
„Arbeit ist die Zeit, die man überstehen muss, bis man leben kann.“
Ich las den Satz mehrmals.
Und merkte:
 Der macht etwas mit mir.
Nicht laut.
 Nicht dramatisch.
 Aber spürbar.
Wenn ich als Kundin lese, dass Arbeit etwas ist, das man überstehen muss, erzählt mir dieser Satz auch etwas darüber, wie hier über Arbeit gedacht wird.
Und unweigerlich frage ich mich:
Wie gerne arbeitet diese Person eigentlich hier?
Solche Spruchschilder sehe ich immer wieder – in Büros, Geschäften oder Werkstätten. Viele davon sind humorvoll gemeint.
Trotzdem ist mir etwas aufgefallen:
Bisher hat mir noch keiner dieser Sprüche das Gefühl gegeben, als Kundin wirklich willkommen zu sein.
Vielleicht liegt das daran, dass Worte nie nur Dekoration sind.
Sie stehen im Raum.
Und sie wirken.

Heute habe ich wieder ein solches Schild gesehen.
Diesmal in einem anderen Geschäft.
Darauf stand:
„Bitte seid nett zu Handwerkern.“
Ich musste schmunzeln.
Die Verkäuferin bemerkte mein Lächeln – und wir kamen sofort ins Gespräch. Ganz selbstverständlich entstand eine freundliche, lockere Atmosphäre.
Und plötzlich wurde mir klar:
Dieser Satz hatte eine ganz andere Wirkung auf mich.
Er war menschlich.
Ein bisschen augenzwinkernd.
Und irgendwie verbindend.

Vielleicht liegt der Unterschied genau hier:
Der erste Spruch erzählt von Arbeit als etwas, das man überstehen muss.
Der zweite erinnert daran, dass wir freundlich miteinander umgehen können.
Und genau das ist es, was mich an Sprache immer wieder fasziniert:
Worte wirken. Auch dann, wenn sie einfach nur im Raum stehen.
Sie begleiten einen Ort.
Sie prägen eine Stimmung.
Manchmal so leise, dass wir es kaum bemerken –
und manchmal so deutlich, dass daraus sogar ein Gespräch entsteht.
So wie heute.
Wegen eines kleinen Schildes, auf dem stand:
„Bitte seid nett zu Handwerkern.“ 
Und ich musste schmunzeln. 

Unklare Worte – großer Stress 

Wie ein einziger Satz meinen ganzen Tag ruiniert hat! 

 

Kennst du das Gefühl, wenn dir jemand sagt:“ Ich muss mit dir reden. Aber nicht jetzt. Morgen“ 

Und schon ist das Gespräch beendet, die Person ist weg. Für dich geht es jetzt aber erst los. Denn du denkst den ganzen restlichen Tag und die Zeit bis morgen nach, was gemeint sein? Worum wird es in dem Gespräch morgen gehen? 

Genau das ist mir auch schon öfter passiert. 

Und an eines dieser angekündigten Gespräche kann ich mich noch so gut erinnern. Wahrscheinlich, weil es mich so sehr ins Nachdenken, in die Unsicherheit gebracht wird. Und es wäre nicht nötig gewesen. 

Ich traf die Lehrerin meines Sohnes in der Garderobe. Es war ein kurzer Moment zwischen Tür und Angel, und sie sagte zu mir: 

Frau Sauer, ich muss mit Ihnen reden. Ich bin nur heute im Stress – reden wir morgen!“ 

Das war`s . Für heute. Ich wusste nicht, worum es ging. 

o   Geht es um meinen Sohn? 

o   Gibt es etwas in der Klasse, dass sie mir mitteilen muss? 

o   Hat mein Sohn etwas angestellt? 

o   Macht sie sich Sorgen wegen meinem Sohn? 

o   WAS ist das Thema? WORUM geht es? 

Fragen über Fragen. Keine Antworten. 

Dann geht das Gehirn auf Fehlersuche. 

Denn ich wollte heute schon Antworten. Also habe ich meinen Sohn gefragt: 

? „Hast du eine Ahnung, was mir deine Lehrerin sagen muss? 

? „Ist in der Schule etwas passiert?“ 

? „Hast du heute Ärger bekommen?“ 

Irgendwann war er von meinen Fragen nur noch genervt. Und die Antwort auf jede meiner Frage: 

„Nein, Mama, es war nix!“ 

Der Rest unseres gemeinsamen Tages war angespannt. Wir hatten eine komische Atmosphäre in unserer Wohnung. Und das obwohl nichts vorgefallen war, sondern nur weil ich auf der Suche nach einer Antwort war. 

Nach einer Nacht mit vielen Gedankenkarussel war dann irgendwann auf „morgen“. Und ich traf die Lehrerin und fühlte mich bereit für schlechte Nachrichten. Doch was sie mir sagte, überraschte mich völlig: 

„Frau Sauer ich wollte Ihnen nur sagen, wie toll aufmerksam sich ihr Sohn gestern verhalten hat. Er war der Einzige in der Klasse, der in einer schwierigen Situation eingegriffen und geholfen hat. Das wollte ich ihnen erzählen!“ 

Hört ihr den Stein, der gerade von mir abgefallen ist? Und spürt ihr gleichzeitig den Ärger den ich spürte? All das, all der Stress, die angespannte Stimmung bei uns daheim – völlig unnötig! 

Ja so ist, Worte haben eine Wirkung. Auch nicht gesagte! 

Und diese Situation hat mir wieder gezeigt und ist für mich heute noch mein prägendes Beispiel dafür, dass unklare Kommunikation belasten kann. 

Statt „Ich muss mit Ihnen reden“ hätte die Lehrer auch zu mir sagen können: 

„Ich habe eine schöne Rückmeldung für Sie – ich erzähle Ihnen alles dazu morgen!“ 

Allein diese Information „schöne Rückmeldung“ hätte mir – ja und auch meinem Sohn – einen ganzen Tag voller Sorgen, Ärger und schlechter Stimmung erspart. 

Sag, worum es geht! So ersparst du Menschen unnötigen Stress und Anspannung! 

 

Lust auf mehr (kommunikative) Geschichten aus meinem Alltag? Dann bleib dran – ich werde hier immer wieder Erlebnisse aus meiner persönlichen kommunikativen Welt mit dir teilen! 

Kommunikation ist alles!

 
Diesen Satz haben Teilnehmer in meinen Seminaren geäußert und ich musste schmunzeln, denn er steckt so voller Bedeutung und Wahrheit. 
Was genau bedeutet „Kommunikation ist alles“? 
 Nun, Kommunikation ist der Schlüssel, um unsere Gedanken, Ideen und Gefühle mit anderen Menschen zu teilen. Sie ist das Fundament, auf dem unsere sozialen Beziehungen aufbauen. Durch Kommunikation können wir uns nicht nur ausdrücken, sondern auch andere verstehen und mit ihnen in Beziehung treten. Sie ermöglicht uns, uns miteinander zu verbinden. 
Kommunikation ist auch wichtig für unsere Selbstentwicklung. Durch Kommunikation können wir unsere Bedürfnisse ausdrücken und unsere Ziele erreichen. Indem wir uns mit anderen austauschen, können wir neue Perspektiven gewinnen, uns weiterentwickeln und persönlich wachsen. 
Kommunikation ist nicht immer perfekt, das kann sie nicht sein. Missverständnisse, Unterschiede in der Wahrnehmung und kulturelle Barrieren können die Kommunikation erschweren. Daher ist von großer Bedeutung, sich der verschiedenen Aspekte der Kommunikation bewusst zu sein und aktiv zuzuhören, um eine effektive und reibungslose Kommunikation zu ermöglichen. 
„Kommunikation ist alles“ – sagt auch aus, dass wir die Bedeutung der Kommunikation nicht unterschätzen sollen. 
Kommunikation ist das grundlegende Werkzeug, das wir nutzen können, um Verbindungen aufzubauen, Beziehungen zu pflegen und uns als Individuen entwickeln. Indem wir uns auf unsere Kommunikationsfähigkeiten konzentrieren und sie stetig verbessern, können wir eine Welt schaffen, in der wir uns alle besser verstehen, wertschätzen, und uns unterstützen können. 

Achtung!

Eines der Lieblingsworte meines Mannes ist "Achtung!"
 Und mein ganz persönliches Chaos-Wort.
Und es ist unser gemeinsames Auseinandersetzungswort.
Wann immer mein Mann mich warnen möchte und "Achtung" sagt, passiert bei mir im Kopf folgendes:
Stehen bleiben? Rennen? Abtauchen? Links? Rechts?
??? Waaaaas soll ich machen? Wo ist die Gefahr für mich?
Ich - ich mache dann immer zielsicher das Falsche!
Er meint dann immer - "Was machst du - ich hab doch eh Achtung gesagt!"
Wir haben schon viele Gespräche über sein Lieblingswort geführt.
Und gestern - ich wollte auf den Gehsteig gehen - ein Radfahrer kommt - den konnte ich allerdings wegen der parkenden Autos nicht sehen.
Mein Mann ruft : "Stopp!"
Ich - ich bleibe stehen - der Radfahrer fährt an mir vorbei. Alles gut!
Tja: Wenn die Worte klar sind, weiß auch der Kopf (und die Füße) wohin!  Klare Worte sind Wegweiser - ohne Umweg ans Ziel!

Höflichkeit, die Türen schließt

Wie wir aus lauter Freundlichkeit uns selbst blockieren – und wie klare Worte Türen öffnen.
Höflich sein ist eine Tugend. Höflichkeit ist mir persönlich sehr sehr wichtig. Mir ist es sehr wichtig  meinen Mitmenschen wohlwollend gegenüber zu treten.  Wir/ich wollen/will niemandem zur Last fallen, uns freundlich ausdrücken, rücksichtsvoll sein. Ja das will ich. Doch manchmal passiert dabei genau das Gegenteil: Wir machen es anderen zu leicht, uns zu überhören – und verschließen uns selbst die Tür.
Ein Beispiel: In einem Zoom-Call meldet sich jemand zu Wort:
„Ich hätte da auch noch einen kleinen Punkt, den ich gerne bringen würde, wenn es passt …“
Klingt freundlich. Klingt bescheiden. Klingt … nach „nicht so wichtig“.
Warum? Weil die Formulierung voller Abschwächungen steckt: „hätte“ (nur ein Konjunktiv), „klein“ (das macht den Beitrag unbedeutend), „wenn es passt“ (der perfekte Grund, darüber hinwegzugehen). Ergebnis: Der Punkt wird leicht übergangen. Die Tür bleibt höflich, aber geschlossen.
Dann die Alternative: „Ich möchte noch einen Punkt einbringen.“
Klar. Respektvoll. Höflich – und dennoch verbindlich. Das Gegenüber muss reagieren. Die Tür öffnet sich.

Wenn Höflichkeit unsichtbar macht

Wir glauben oft, Höflichkeit sei automatisch eine Stärke und öffnet uns Türen. Doch allzu oft bedeutet sie: wir verstecken uns hinter Wattewörtern. Wir wollen nett wirken – und machen uns dabei unsichtbar.
Meine sprachlichen Begleiter:innen zeigen das sehr anschaulich.
 Da ist zum Beispiel Frau Wattebausch. Sie sagt gerne:
„Bitte ruf mich zurück, wenn du irgendwann kurz Zeit hast.“
Klingt freundlich. Doch was kommt beim Gegenüber an? Irgendwann. Kurz. Vielleicht. Kein Wunder, wenn der Rückruf nie erfolgt.
Frau Wattebausch ist höflich – aber sie schließt Türen. Ihr Wollen kommt nicht an.

Klarheit ist die höchste Form der Wertschätzung

Klare Worte sind nicht das Gegenteil von Höflichkeit. Sie sind die höchste Form davon. Denn Klarheit zeigt: Ich nehme mein Gegenüber ernst, ich vertraue darauf, dass er oder sie mit einer direkten Bitte umgehen kann.
Ein „Ich möchte …“ klingt für viele zunächst ungewohnt. Doch wer es ausspricht, merkt schnell: Es wirkt weder hart noch unfreundlich. Es wirkt klar, verbindlich, respektvoll. Und genau darin liegt die Wertschätzung.

Kleine Wörter, große Wirkung

Wir alle kennen sie: die „würde-gerne-vielleicht-irgendwann“-Formulierungen. Sie sind wie kleine Türstopper, die verhindern, dass sich eine Tür ganz öffnet.
Wer sie ersetzt durch klare Worte – „Ich bitte“, „Ich möchte“, „Ich frage“ – erlebt oft einen Aha-Moment. Plötzlich reagieren Menschen anders. Plötzlich öffnen sich Türen.


"Könnte ich dann bitte bezahlen"

 
Neulich saßen mein Mann und ich in einem Restaurant.
 Nach dem Essen wollte er die Rechnung begleichen und sagte höflich:
 
"Könnte ich dann bitte bezahlen?"

Ein Satz, der so gut gemeint ist – Höflichkeit in Reinform. Und trotzdem ist er ein bisschen weichgespült, eine Formulierung, die wir gewohnt sind, obwohl wir eigentlich klar und freundlich sagen könnten: „Ich will bitte bezahlen.“
 
Der Kellner reagierte mit einem Lächeln:
 
"Ob Sie können, weiß ich nicht."

Mein Mann lachte und antwortete:
"Na, ich hoffe, dass ich kann. Ich hab Bargeld und Karte dabei – sollte funktionieren."
 
Die beiden hatten ihren Spaß mit dem „Können“. Für uns ein kleiner humorvoller Moment, für den Kellner vielleicht Routine . Wie oft er diesen Satz am Tag hört und ihn in seinem Kopf sofort in ein einfaches „Ich will bitte bezahlen“ übersetzt.

  Klare Worte erleichtern nicht nur den Alltag – sie machen Kommunikation für alle angenehmer. Ich glaube, auch Kellner freuen sich über Gäste, die sagen, was sie wollen, ohne unhöflich zu sein.


🛴 "Kannst du bitte nach vorne schauen?" – "Nein." 🛴


Ich war mit meinem Mann in Velden am Wörthersee unterwegs. Es war viel los, ganz viele Menschen.
Uns kam eine junge Mama mit ihrer etwa zweijährigen Tochter auf dem Rad entgegen. Für das kleine Mädchen gab es so viel zu sehen, zu entdecken, viele Kinder am Spielplatz an dem sie vorbei gefahren sind, der Clown in der Wiese daneben - die Boote am Wasser und überhaupt so viele Menschen - Ihre Augen waren überall. Nur nicht nach vorne.
Alle ihr entgegenkommenden Erwachsenen haben ihr den Weg frei gemacht.

Die Mama, leicht genervt:
👉🏼 "Kannst du bitte beim Radfahren nach vorne schauen?"
Und die Kleine – ganz klar, ganz ehrlich:
👉🏼 "Nein."
Das war ihre Antwort - die, die Mama nicht gehört hat!

Und sie hatte Recht.
Nein – sie konnte in diesem Moment nicht nach vorne schauen. Weil ihre Aufmerksamkeit noch nicht so steuerbar ist. Weil ihre Welt gerade viel zu spannend war.
Und weil sie die Frage noch nicht als indirekte Aufforderung verstehen kann.

🔍 Sie hört eine Frage – und sie antwortet.
Nicht trotzig. Nicht bockig.
Sondern einfach nur: ehrlich.
Sie übersetzt sich die Frage noch nicht - sie hört die Worte die ihre Mama gesagt hat.

Wir sind erfahren, verlässlich sowie fokussiert auf gute Ergebnisse und wissen es zu schätzen, mit großartigen Kunden zusammenzuarbeiten.

20 Minuten Vorfreude

 

 

 

Zu meinem Geburtstag haben mich meine Lieben zum Essen ausgeführt. Ein richtiges Fest! Hinter uns der Neusiedlersee, vor uns die langsam untergehende Sonne – und mittendrin wir, vertieft in die Speisekarte. 

Ich muss gestehen: Ich lese Speisekarten meistens nur sehr oberflächlich. Bei den ersten Worten entscheide ich schon: „Naja“ – „vielleicht“ – „weiß nicht“ – „nein“. Und bis ich mich dann endlich entschieden habe, sind die anderen oft schon fertig mit Bestellen. Kennt ihr das auch - ich bin immer die, bei der gefragt wird "Weißt du schon was du willst?" 

Diesmal aber blieb mein Blick hängen. Bei einem Gericht stand nicht einfach nur „20 Minuten Wartezeit“. Nein, da stand tatsächlich: „20 Minuten Vorfreude“. 

Vorfreude! 
Wie schön ist das bitte? 
Mal ehrlich: „Wartezeit“ ist doch eher das, was wir im Amt erleben. „Vorfreude“ hingegen – die darf man sich auf der Zunge zergehen lassen, noch bevor das Essen überhaupt kommt. 

Selbst in einer Speisekarte wirken unsere Worte – sie machen den Unterschied zwischen seufzendem Warten und freudigem Erwartungsgrinsen. 

Und wieder einmal zeigt sich: Sprache ist nicht nur ein Werkzeug, sie ist ein Stimmungszauberer. Mal schwer und sperrig, mal federleicht und einladend. Dieser Abend hat mir aufs Neue gezeigt, wie sehr Worte unser Erleben färben – und dass manchmal ein einziges Wort reicht, um die Welt ein bisschen schöner zu machen. 

"Wir haben uns jetzt schon länger nicht gesehen"

 
Auch wenige Worte haben ( große) Wirkung
 
 Letztens traf ich meine Nachbarin im Stiegenhaus und sagte zu ihr:
 „Ach, wir haben uns schon länger nicht gesehen.“
Eigentlich nur ein kurzer Smalltalk. Aber kein "leerer" Smalltalk der sich eben gehört - so nach dem Motto "man grüßt sich eben". Dieser Satz war mehr als ein Gruß. Auch ihr Gesichtsausdruck sagte mir: Da kommt mehr an als eine Begrüßung. Mein Ziel hinter diesem Satz war ganz klar Beziehungspflege. Ich wollte zeigen: Ich achte auf dich, mir ist unsere Nachbarschaft wichtig. Und genau diese wenigen Worte können Verbindung und Vertrauen schaffen – auch wenn sie beiläufig klingen. 
Auch kleine Worte sind nie ohne Wirkung.